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Published by adnn on Wednesday, March 6, 2024

Der Spielfilm „Wir waren niemals hier“ (Originaltitel: We Were Never Here) ist ein US-amerikanischer Psychothriller aus dem Jahr 2021. Regie führte Jeffrey A. Brown. Die literarische Vorlage bildet der gleichnamige Roman der Autorin Andrea Bartz, der 2020 veröffentlicht wurde. In den Hauptrollen sind Leighton Meester und Christina Wolfe zu sehen.

Im Zentrum der Handlung stehen zwei enge Freundinnen, die regelmäßig gemeinsam Fernreisen unternehmen. Während eines Aufenthalts in Südamerika kommt es zu einem folgenschweren Zwischenfall: In der Ferienwohnung wird ein Mann tot aufgefunden. Eine der beiden Frauen behauptet, in Notwehr gehandelt zu haben. Die Situation eskaliert, als sich zeigt, dass ein ähnliches Ereignis bereits auf einer früheren Reise stattgefunden hat. Die Protagonistin gerät zunehmend in einen inneren Konflikt zwischen Loyalität gegenüber ihrer Freundin und wachsendem Zweifel an deren Darstellung der Ereignisse.

Der Film entfaltet seine Spannung weniger durch äußere Action als durch psychologische Verdichtung. Im Vordergrund stehen Fragen nach Vertrauen, Wahrnehmung und Manipulation. Die Zuschauerinnen und Zuschauer erleben die Geschehnisse überwiegend aus der Perspektive einer Figur, deren subjektive Wahrnehmung nicht immer eindeutig verlässlich erscheint. Dadurch entsteht eine Atmosphäre der Unsicherheit, in der sich Realität und mögliche Täuschung nur schwer voneinander trennen lassen.

Ein zentrales Thema des Films ist die Dynamik enger Freundschaften. Die Beziehung der beiden Hauptfiguren wird als intensiv, aber auch ambivalent dargestellt. Gemeinsame Erlebnisse und geteilte Geheimnisse verbinden sie, zugleich entwickeln sich Abhängigkeiten und Machtverschiebungen. Der Film thematisiert, wie stark emotionale Bindungen Urteilsvermögen und moralische Entscheidungen beeinflussen können.

Auch die Darstellung von Reisen und Ortswechseln spielt eine wichtige Rolle. Die exotischen Schauplätze stehen im Kontrast zur inneren Anspannung der Figuren. Die äußere Freiheit, die mit Urlaub und Abenteuer assoziiert wird, kollidiert mit der inneren Enge, die durch Angst und Misstrauen entsteht. So dienen die wechselnden Orte weniger als touristische Kulisse, sondern vielmehr als Hintergrund für eine zunehmend klaustrophobische Stimmung.

Stilistisch setzt der Film auf zurückhaltende Inszenierung, ruhige Kameraführung und eine betont atmosphärische Bildgestaltung. Die Spannung entwickelt sich schrittweise, vor allem durch Dialoge und subtile Hinweise. Offene Fragen und mehrdeutige Situationen tragen dazu bei, dass das Publikum bis zum Ende über die tatsächlichen Hintergründe der Ereignisse im Unklaren bleibt.

„Wir waren niemals hier“ lässt sich dem Genre des Psychothrillers zuordnen, da er psychische Prozesse, moralische Dilemmata und zwischenmenschliche Abgründe in den Mittelpunkt stellt. Gewalt wird nicht spektakulär inszeniert, sondern dient vor allem als Auslöser für die innere Auseinandersetzung der Figuren. Insgesamt zeichnet der Film das Porträt einer Freundschaft unter extremem Druck und regt dazu an, über Vertrauen, Schuld und Verantwortung nachzudenken.